02
April
2013

Isenheimer Altar

ZUM GEBRAUCH DER TEXTE

Dieser Text hat nur im Zusammenhang mit den Bildern des Altars einen Sinn. In dem Masse, wie es Dir gelingt, Dich auf die Bilder einzulassen, werden die Worte wie Brücken helfen, die direkte Verbindung zu schaffen, wodurch Du sehend wirst.

Die Worte sind nur Hinweise, in welcher Richtung Du suchen könntest. Meine eigenen Erfahrungen sind nur Anregungen, wie das Gesehene mit der eigenen existentiellen Wirklichkeit verbunden werden könnte. Sie sind Beispiele, wie das Alltäglichste zur Übung werden kann.

Die Erfahrung zeigt, dass die Seele mit der Essenz der Bilder am besten in Verbindung treten kann, wenn die Bilder einem immer wieder begegnen. Der ideale Ort für sie wäre eine Meditations- oder Gebetsecke. Oder ein Platz im Wohnbereich, an dem man immer wieder vorbeigeht und einen kurzen Blick auf die Bilder werfen kann. Das kann mehr bewirken, als in längeren sitzungen "sich mit den Bildern auseinanderzusetzen".

Der Text ist ein Konzentrat. Die einzelnen Ideen brauchen genügend Zeit, um sich entfalten zu können. Erst dann verbinden sie sich mit dem Eigenen, erst dann können sie verdaut werden. Wenn wir sie gierig verschlingen, so wie wir Bücher zu konsumieren gewohnt sind, werden wir "psychische Verdauungsstörungen" bekommen.

Zeit ist Gottes Geschenk, wird aber für uns nur dann von Nutzen sein, wenn wir sie bewusst mit Ausdauer und Vertrauen füllen. Nur durch einen Prozess existentieller Wandlung wird unser Leben sich verändern, und das braucht Zeit.

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass die Zeit von einer Woche ein gutes Mass für den Rhythmus ist. Die neuen Ideen und Fragen, die in einem Abschnitt enthalten sind, können sich in dieser Zeit mit dem eigenen Wissen, den eigenen Erfahrungen, mit dem inneren und äusseren Geschehen verbinden. Wir brauchen auch Zeit, um zu lernen, wie wir die Bilder, und die Texte "im Herzen bewegen" können, anstatt sie im Kopf zu Hirngespinsten anwachsen zu lassen. Es geht dabei immer wieder darum, Fragen zu stellen, die in uns neue Räume erschliessen.

Es kann hilfreich sein, das, was in uns geschieht und entsteht, zu notieren. Der Prozess der schriftlichen Formulierung erzeugt eine andere Substanz in uns, als das Denken und innere Verstehen. Für manche braucht es eine grosse Anstrengung, sich zum Schreiben durchzuringen, wie ich aus eigener Erfahrung weiss. Eine Trägheit in uns kann der Grund dazu sein - wichtig scheint mir nur, dass wir diese Trägheit nicht mit irgendwelcher Rechtfertigung zudecken.

Wenn eine kleine Gruppe sich regelmässig trifft und austauscht, und die Teilnehmer sich nicht in Diskussionen und Meinungen über das Gelesene oder Erfahrene verlieren, könnte das sehr fruchtbar sein.

Mit Austausch meine ich: Über Erfahrenes und Erkanntes berichten, ohne zu kommentieren, weder das eigene, noch das der anderen. Wertvolle Keime könnten sonst dabei ersticken. Fragen formulieren und aussprechen, aber sie nicht füreinander beantworten. Überhaupt, nicht nach Antworten, sondern nach Fragen suchen, einander helfen, die wesentlichen Fragen zu finden.

Für manche öffnet sich ein neues Verständnis, indem die Körperhaltung der Gestalten korrekt nachgestellt wird. Hier kann die Hilfe der anderen in der Gruppe auch nützlich sein. Was verändert sich im Inneren, wenn in der Körperhaltung eine Veränderung - oft nur eine sehr geringfügige - geschieht?

Es kann vorkommen, dass ein Bild oder eine Aussage zu fremd sind, vielleicht mit unseren Vorstellungen nicht übereinstimmen oder sogar Widerstände auslösen. In solchen Fällen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es am besten ist, daran nicht hängen zu bleiben, sondern weitergehen. Ablehnung einer Idee zeigt, dass wir etwas - aus welchen Gründen auch immer - nicht richtig verstanden haben. Es kam immer wieder vor, dass die Bedeutung einer Aussage erst nach Jahren in mir aufgeleuchtet ist. Oder ich fand die Wurzeln meiner Ablehnung erst nach einiger Zeit.

Die erste Schauseite bietet sich zur inneren Arbeit an. Darin gibt es eine Fülle von Informationen, die zum ersten Erwachen notwendig sind. Das Studium der zweiten und dritten Schauseiten kann erst nach einer inneren Öffnung fruchtbar werden.

Eine zu frühe Beschäftigung mit ihnen kann Vorstellungen nähren, die für einen praktischen spirituellen Weg sogar hinderlich werden könnten.

Author; Agnes Hidveghy Categories: Isenheimer Altar

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Agnes Hidveghy

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