01
April
2007

Hingabe

„ICH BIN EIN VERBORGENER SCHATZ UND SEHNTE MICH DANACH, ERKANNT ZU WERDEN. SO ERSCHUF ICH DIE WELT, DAMIT ICH ERKANNT WÜRDE“

Das grösste Missverständnis den letzten zweitausend Jahren, das unermessliches Leiden verursacht hat, lag im kollektiven Verständnis von Hingabe. Wie in einer Wolke war die Menschheit darin gefangen, die reine Idee sank tief hinunter und entartete zur Hilflosigkeit und Ausgeliefert-sein.

Können wir heute besser verstehen, was mit HINGABE, einem zentralen Begriff auch im Christentum, gemeint ist?

Hingabe kann uns als Schlüssel zu den vergangenen zweitausend Jahren dienen, die vom Weltenmonat der zwei Fische und der Jungfrau geprägt sind. Die kosmische Energie, die den Planeten in dieser Zeit durchflutete, der „Zeit-geist“, wurde von dieser Achse des Tierkreises durchtränkt. Die Menschheit, kollektiv und jedes Individuum einzeln, wurde unbewusst durch die verschiedenen Formen der Hingabe konditioniert und „imprägniert“, auf allen erdenklichen Ebenen. Aus der heutigen Sichtweise wird erkennbar, dass ein Thema, hinter allen Ereignissen, diese Periode durchzieht: Sich unreflektiert und hilflos den weltlichen Mächten, der Natur, den eigenen Vorstellungen, Trieben und Unzulänglichkeiten, und einem Bild über Gott auszuliefern – oder all dies zu bekämpfen. Die Menschheit wurde auf dieser Achse des kollektiven Verstehens festgehalten, was zu vielen schwerwiegenden kulturellen und religiösen Missverständnissen führte. Auch viele Heilige des Christentums sind erst nach langen, individuellen Kämpfen von dieser Achse frei geworden!

Sich einem Gott, den wir nicht kennen, von dem wir nur „Bilder“ haben, hinzugeben – ist das die Kernbotschaft des Christentums? Ihm etwas zu opfern, was Er nach unseren Vorstellungen von uns verlangt? Ist das mit Glauben gemeint? Sind die christlichen Ideen schuld daran, dass die Menschheit in so viel Elend hineingezogen wurde? Wurde nicht durch diese Interpretation dem Menschen seine Würde genommen und seine von Gott gegebene Intelligenz ausgeschaltet, um ihn hilflos, manipulierbar, niedrigen Mächten auszuliefern? Die Grundidee, dass der Mensch nach dem Ebenbild Gottes erschaffen ist, bleibt so auf der Strecke.

Wenn man die Botschaft des Christentums in ihren Grundaussagen ernst nimmt, dann kann die Antwort klar Nein!- lauten. So wie wir kollektiv konditioniert sind, wird jede Idee entartet und verkehrt interpretiert, wie jede Idee der jeweiligen Zeit - der Zeitgeist - rund um den Planeten bereits im Ansatz missverstanden wurde.

Hingabe ist eine göttliche Fähigkeit, die erst nach einem Prozess der Transformation verstanden werden kann. Die Voraussetzung zu diesem inneren Prozess ist das Erforschen und Erahnen dessen, was die zentrale Botschaft des Christentums meint.

Die Botschaft Christi ist klar formuliert:

Gott ist Mensch geworden.


ER ist Mensch geworden, nicht einmalig vor zweitausend Jahren, sondern in jedem SEINER Kinder. ER ist „unser Vater“, wir tragen SEIN Erbe in uns. GOTT gibt sich in jedem von uns hin, damit ER Mensch werden kann. In jedem von uns ist ER Mensch geworden.

Die Idee, dass sich Gott der Seele hingibt, ist bereits im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung auf dem Planeten „angekommen“, in Erscheinung getreten. Die Darstellungen des Dionysos in der griechischen Kunst sind klare Zeugen von diesem Gottverständnis. Am Anfang manifestierte sich diese Idee in Schönheit. Die Verzerrung ins Leiden und Elend Christi, die uns heute so vertraut sind, entstand erst viel später. Sogar die frühen Kruzifixe wiedergeben die Idee rein: An ihnen ist DER Mensch schlicht am Kreuz festgemacht. Er ist am Kreuz der Materie, im Körper, in der Inkarnation angebunden.

Das Christentum baut auf dieser Idee auf. Gelingt es uns, die Bedeutung der Heiligen Dreifaltigkeit zu verinnerlichen, könnte dies klar werden: ER gibt sich als „der einzige Sohn“ in der Manifestation hin.

Gott hat sich dem Menschen hingegeben.
Damit ER erkannt wird.


Und ER gibt sich in allem, zu allen Zeiten, in der Schöpfung hin. ER gibt sich hin, in jeglicher Form, damit ER uns lebendig macht. In der Form, in welcher wir IHN, einen Aspekt von IHM, annehmen können. Verborgen, verkleidet, steigt ER bis in die dunkelsten Schichten und Manifestationsformen hinunter. Und wir erkennen IHN nicht, wir bekämpfen IHN – gerade dort, wo es am NOTWENDIGSTEN wäre, IHN zu erkennen.

ER nähert sich als Schlange – als Prozess, als Lebens-Prozess, damit unsere Seele befruchtet werden kann. Wie es in der Geschichte von Zeus und Semele überliefert ist. Dort nimmt Zeus die Gestalt einer Schlange an, damit er sich Semele nähern kann. So kann Dionysos, der Göttliche, geboren werden, gezeugt von einem göttlichen Vater und einer menschlichen Mutter. In dieser Geschichte ist bereits die Idee des Christentums enthalten. Die Idee, dass wir alle die zwei Erben in uns tragen: das Väterlich-Göttliche und das Mütterlich-Menschliche.

Kann die Schlange des Paradieses etwas anderes sein, als SEINE Manifestation? Es gibt doch keinen anderen Gott, als IHN. Wenn wir nicht verführt worden wären, hätten wir dann den beschwerlichen Weg der Inkarnation auf uns genommen? Wie hätte ER sonst Mensch werden können?!

Nur eine Jungfrau – eine jungfräuliche Seele - kann IHN in der Verkleidung des weissen Einhorns erkennen – nur sie kann sich mit ihm verbinden. Erjagen lässt ER sich nicht.

ER nährt uns mit der Nahrung von Eindrücken, die uns lebendig machen. Jeder erhält seine eigene Nahrung, seiner Aufnahmefähigkeit entsprechend. Wir suchen die uns belebende Nahrung von Erfahrungen und werden süchtig danach.

ER zeigt sich in allem, was uns herausfordert, was uns wach rüttelt, damit wir sehend werden. ER manifestiert sich durch die Intelligenz, die so arg durch Konditionierungen in uns verschüttet ist. ER manifestiert sich aber auch in dieser Verschüttung – ER verbirgt sich darin. ER zeigt sich wiederum in allem, was wir selber durch die schöpferische Gabe erschaffen, damit wir IHN jenseits der Begrenzungen unseres Bewusstseins erkennen.

Solange wir IHN in der Stille, in SEINER direktesten Manifestation, nicht zu erkennen fähig sind, suchen wir IHN, den EINZIGEN, der uns belebt, im Lärm des Lebens. In Sensationen, in der Extase und wenn es nicht anders geht, in Gewalt. Wir suchen IHN im Sex und im „noch mehr“. Und wir suchen IHN im Anderen. Wir können nicht aufhören, IHN zu suchen, in all dem, was uns fasziniert, womit wir uns zu verbinden fähig sind. Wir jagen IHN und ER entzieht sich uns. Gleichzeitig zieht ER uns weiter, zu SICH hin.

ER verlebendigt uns in der Intensität von Schmerz und Leiden – erkennen wir IHN darin? Ist das nicht SEIN Schrei nach uns, Ausdruck SEINER Sehnsucht, weil wir SEINE Sprache, die Stille, noch nicht verstehen?

Wir wissen alle, ausnahmslos, in der Tiefe unserer Seele: ER hat sich uns hingegeben. Aber wo können wir IHN finden?!

„ER ist näher, als deine Halsschlagader“, heisst es. Was ist uns näher, als ICH BIN?!

ER gibt sich hin nach unserem Mass. Bedingungslos. Und lässt uns, als SEINE Kinder, in die gleiche bedingungslose Hingabe hineinwachsen. Er entzieht sich aber von jeglichem Versuch der Besitznahme. Damit wir IHN in jedem Aspekt und in jeder Gestalt SEINER Manifestation erkennen können.

ER steigt hinunter aus der Ewigkeit in die Zeit, damit wir einen WEG gehen können. ER hat sich in der Zeit in SEINEN unendlich vielen Facetten zerstückeln lassen, damit wir an SEINEM schöpferischen Feuer nicht verbrennen. ER gibt sich uns in täglichen, in stündlichen Portionen – ja, wir können SEINE mächtige Präsenz nur in der Gegenwart ertragen. Keine Minute länger – darum verbirgt ER sich in der Vergangenheit und in der Zukunft.

Nur zwei Gleiche können sich erkennen und sich vereinigen. Die Sehnsucht nach Vereinigung ist in allem, was wir tun, der treibende Motor. Die Sehnsucht nach einem Partner, nach einem Kind, nach Karriere, nach Auto, nach Luft und nach Nahrung. Die Sehnsucht nach Beziehung und nach erkannt werden. Und die unersättliche Sehnsucht nach noch mehr Leben und nach dem Tod. In unserer Hilflosigkeit werden wir stumm oder laut, wenn es nicht anders geht, gewalttätig oder süchtig.

Wie können wir IHN erkennen in dem, was IST? In SEINEM weiblichen Aspekt, in SEINER Seele, in der Psyche, und in der Schechina – oder dem „einzigen Sohn“, wie ER im Prozess des Werdens auch genannt wird?!

IHN, der die Welt erschuf, und in jedem Augenblick erschafft, der von sich sagt:

„ICH BIN EIN VERBORGENER SCHATZ UND SEHNTE MICH DANACH, ERKANNT ZU WERDEN.
SO ERSCHUF ICH DIE WELT, DAMIT ICH ERKANNT WÜRDE“

 

***


Wie können wir aber DICH erkennen? Bereits ein Funke von DEINEM Licht ist so gewaltig, dass wir davon blind werden für all DEINE anderen Manifestationen! Von diesem einen Funke erblindet werden wir Amokläufer und wir opfern alles, erniedrigen andere, und wir führen Kriege gegen diejenigen, die auch in DEINEM Bilde erschaffen worden sind! Wir verwechseln dann unsere Nichtigkeit mit DEINER Allmacht und in einer grenzenlosen Anmassung, ignorant und arrogant, teilen wir Urteile über all das aus, worin DU DICH vor unseren Augen verbirgst. Wir meinen über alles nach Lust und Laune verfügen zu können und zerstören DEINE wunderbare Welt auf dem Planeten. Wir, und nicht „die anderen“.

Aber dahinter bist auch DU verborgen!


Gib uns so viel Licht, wie wir ertragen und so viel Dunkelheit, dass wir DEINE Sehnsucht auch in uns nach DIR spüren – als Wesen, denen die gleiche Sehnsucht, wie die DEINE eingepflanzt ist. Wir sind doch in DEINEM Ebenbild erschaffen worden!

Damit wir auch auf DICH zugehen können. Ohne Hände und ohne Füsse – allein dem Weg der Sehnsucht des Herzens folgend.

Lass unsere Füsse und Hände als die DEINEN in der Welt wirken. Damit DEIN Licht besser wahrgenommen wird hier, in dieser Welt, auf dem Blauen Planeten. Damit wir als DEINE Vertreter, als DEINE Kinder in Würde in DEINEM Namen wirken können. Wer soll sonst den Himmel auf Erden verwirklichen, wenn nicht DEINE Kinder?!

Lass uns Werkzeug werden, damit

„Dein Reich komme, wie im Himmel, so auf Erden“

Author; Agnes Hidveghy Categories: Weisheiten

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