24
December
2013

Die Verkündigung

Auszug aus dem Buch "Stille Nacht, Heilige Nacht"

Verkündigung - Rogier van der Weyden

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heisst Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hiess Maria." (1, 26-27)

Der "sechste Monat", das sechste Zeichen des Tierkreises, ist das Zeichen der Jungfrau. Die Vorbereitung, die mit Johannes dem Täufer, mit dem Zeugen, beginnt, ist soweit fortgeschritten, dass die Jungfrau vom Heiligen Geist empfangen kann.

Wie wir wissen, ist Johannes der Täufer der innere Zeuge. Sein Name ist schon Verheissung: «Der Herr (Gott) ist Gnade». Durch diese Gnade allein kann die Gefangenschaft im Gesetz überwunden werden. Jeder spirituelle Weg beginnt mit dem Etablieren dieser inneren Instanz. Im Buddhismus wird sie Achtsamkeit genannt, sie wird auch als Beobachter bezeichnet, oder sie ist einfach die Nicht-Identifikation. In der deutschen Sprache beinhaltet der Begriff Zeuge an sich das Mysterium: Der Zeuge ist in einem Vorgang auf keine Art und Weise involviert, gleichzeitig aber ist er der Er-Zeuger neuen Lebens.

Diese innere Instanz, die im Zeichen des Widders einen neuen Zyklus öffnet, muss den Boden soweit in uns vorbereiten, dass die Seele gereinigt, jungfräulich wird. Erst dann kann sie vom Heiligen Geist aus dem Augenblick empfangen, ohne dass die Erinnerungsmuster der Vergangenheit dazwischenstehen.

Jesus, der Messias, ist der Erlöser am Anfang des Fische- Weltenmonats. Seit den Urchristen wird das Zeichen der Fische im Tierkreis als Christus-Symbol verwendet: Die zwei miteinander verbundenen Fische. Jungfrau und Fische sind einander gegenüber, auf der gleichen Achse. Ihre Energien bedingen einander, und der Planet Erde stand 2000 Jahre lang in der Schwingung dieses Energiepaares. Dadurch wird es verständlich, dass nicht nur Jesus, sondern auch Chrishna, der Inder, von einer Jungfrau geboren ist. Wie unsinnig, über die jungfräuliche Geburt im Konkreten, in der Welt des Körpers als äusseres Ereignis, zu streiten!

Die Stadt Nazareth in Galiläa ist nicht zufällig gewählt. Gal, der Stamm des Namens Galil – wie es hebräisch heisst – hat mit Formwerdung zu tun, mit dem Erscheinen in der Form. In der hebräischen Schrift werden nur die Konsonanten ausgeschrieben, dabei hat jeder Buchstabe einen Zahlenwert. Derjenige von Gal ist 3-30=33. Das, was in der Form erscheint, kann die Zahl 33 nicht «überleben», deshalb stirbt der Körper Jesu mit 33 Jahren. Das, was aufersteht, ist jenseits davon, gehört zu 34. Das ist der Erlöser, der Go El heisst, geschrieben mit dem Zahlenwert 34. Dies wiederum ist auch die Zahl für das Wort Kind, das aber aus anderen Buchstaben zusammengesetzt ist. Die Begriffe Golem, (toter Körper), Gola, Galuth (Exil) Giluj (Offenbarung) sollen die Komplexität der hebräischen Sprache veranschaulichen.

Zar bedeutet die starre Form und ist der Stamm für die Begriffe Druck, Leid, Schmerz. Mit der Stadt Nazareth verdichtet sich die Formwerdung zu einer kristallisierten, unausweichlichen Verpflichtung. Innerhalb der lebendigen Form gibt es etwas, was sich nicht weiter formen lässt. Könnte das die erbbedingte Struktur unseres Körpers sein? Oder unser Schicksal, innerhalb dessen unsere Bestimmung als Möglichkeit zum «Werden des Seins» enthalten ist?

Maria – hebräisch Mirjam – die Jungfrau, lebt in dieser Stadt. Ihr Name hat mit Bitter, Meer, Materie zu tun. Wie könnte sie in einer anderen Stadt als Nazareth leben?! Und wie könnte der Erlöser in einem anderen Mutterschoss ausgetragen werden, als im Schosse der reinen Jungfrau? Die Wurzel der Begriffe Gnade und Erbarmen Gottes ist das Wort für Mutterschoss. Die reine Seele kann die dauernde Auseinandersetzung im bitteren, salzigen, uferlos scheinenden Meer nur durch das Wissen ertragen, dass «Gottes Gnade», Johannes, bereits unterwegs ist.

So kann der Engel mit seinem Namen Gabriel, was «Kraft Gottes» bedeutet, die Botschaft übermitteln. Botschaft und Fleisch ist wiederum der gleiche Begriff: Durch die Inkarnation, die Fleischwerdung, wird die Botschaft übermittelt. Ohne den physischen Körper, ohne in die starre Form hineingebunden zu sein, kann uns keine Botschaft erreichen. Und ohne Botschaft kann keine Gottesgeburt im Menschen geschehen. In diesem Zusammenhang ist die «Botschaft» so wichtig.

Der Mann, mit dem Maria verlobt ist, heisst Josef. Er hat den gleichen Namen wie der Lieblingssohn von Jakob im Alten Testament, der von seinen eifersüchtigen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde. Der Lieblingssohn des Vaters, der in ein fremdes Land gerät – in ein Land, das für all die Beschränkungen und Leiden in der Dualität dieser Welt steht – und dort Retter seiner Brüder wird. Josef, dessen Name «mehren» bedeutet, wird auch als «es soll noch ein anderer Sohn kommen» verstanden. Josef, der Verlobte Maria‘s, ist aus dem Hause David der direkte Nachfolger vom «Geliebten Gottes», was der Name David bedeutet. Josef ist der Fremde in dieser Welt, mit der Erinnerung an jene Welt, wo er der Lieblingssohn des Vaters ist. Er weiss, wie man in dieser Welt eine Behausung baut, er ist ein Zimmermann. Es ist Josef, der befähigt ist, auch das Haus des Brotes – Beth Lehem aufzubauen. (Bethlehem = Haus des Brotes) Er baut den Ort auf, wo Maria, die Reine Seele zu Gottesgebärerin wird.

Er wird auch fähig sein, Maria und das Kind nach Ägypten zu führen, solange sie in Gefahr sind. Er kennt doch das Land.

Die entsprechenden Teile in uns, die in der Geburtsgeschichte personifiziert sind, bereiten den Weg vor. Schauen wir sie nochmals an:

Maria: Die reine Seele, die «keinen Mann kennt». Mann und Erinnerung sind wiederum der gleiche Begriff. Die Seele ist rein, wenn sie nicht mit Erinnerungsmustern «verheiratet», besetzt ist.

  • Johannes der Täufer: Der Zeuge, der jenseits des inneren Geschehens wahr-nimmt.
  • Josef: Der in dieser Welt funktionierende Handwerker, der im Bewusstsein seiner Abstammung die Verantwortung dafür tragen kann , was Gott ihm in dieser Welt anvertraut. Auch dann, wenn es nicht «sein Kind» ist.

Author; Agnes Hidveghy Categories: Christentum

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